CBD Im Kampf gegen Krampfanfälle

Während eines typischen Krampfanfalls kommt es für einige Zeit zu einem Verlust der Körperfunktionen. Oftmals fallen Betroffene dabei zu Boden und leiden unter diversen Zuckungen und Krämpfen. Es gibt jedoch auch unscheinbarere Krampfanfälle, die von der Außenwelt als solches gar nicht immer wahrgenommen werden. In schweren Fällen dagegen droht auch ein zeitweiliger Bewusstseinsverlust. Nicht immer handelt es sich bei Krampfanfällen um bekannte Epilepsieformen. Auch insulinpflichtige Diabetiker können bei einer massiven Unterzuckerung einen Krampfanfall erleiden. Bekannt und gefürchtet sind die Fieberkrämpfe bei Kindern oder auch Krampfanfälle, die nach einem Schlaganfall auftreten können. Gerade bei den kindlichen Formen von Epilepsie kommt seit einiger Zeit auch CBD aus dem Medizinalhanf zum Einsatz. Bislang ist CBD vor allem als Bestandteil von CBD-Öl bekannt geworden.

 

Was bei einem Krampfanfall im Gehirn passiert

 

In der Regel kommt es bei einem zerebralen Krampfleiden zu einem unkontrollierten, gleichzeitigen Entladen elektrischer Impulse und Signale, welches normalerweise koordiniert ablaufen sollte. Nicht immer gibt es einen bestimmten Auslöser, der für das Auftreten eines Anfalles verantwortlich ist. Bei der idiopathischen Epilepsie jedoch gibt es solche Auslöser, die der Betroffene, so dies in seiner Macht steht, meiden sollte. So können zum Beispiel optische Reize wie das Flimmern in einer Diskothek oder beim Fernsehen einen Krampfanfall begünstigen. Nicht immer bedeutet ein Krampfanfall, dass der Betroffene tatsächlich lebenslang an Epilepsie leidet. Denn auch psychischer Druck und Stress können zeitweise zu Krampfleiden führen, die nach Verschwinden des Stressfaktors ebenfalls wieder verschwinden.

 

Studien zu CBD bei Krampfanfällen

 

Cannabidiol besitzt nicht nur nervenzellschützende Eigenschaften, sondern soll auch eine antiepileptische Wirkung ausüben können, wie diesbezügliche Tierversuche und evidenzbasierte Studien vermuten lassen.

So werden seit einiger Zeit bereits erblich bedingte Formen von Epilepsie, die überwiegend im Kindesalter auftreten (besonders das Dravet-Syndrom, das Angelmann-Syndrom und das Lennox-Gastaud-Syndrom), mit CBD-haltigen Präparaten behandelt.

CBD soll in Studien bei über 80 Prozent der an kindlicher Epilepsie leidender Kinder die Häufigkeit und die Intensität der Krampfanfälle reduzieren können. Doch wie konkret CBD bei Krampfanfällen helfen kann, zeigt unter anderem die Geschichte der kürzlich an Covid 19 verstorbenen Charlotte Figi.

 

Die Geschichte der Charlotte Figi

 

Als die in den USA lebende, kleine Charlotte Figi 6 Jahre alt wurde, litt sie immer mehr unter massiv ausgeprägten Krampfanfällen. Pro Woche sollten es mitunter mehr als 300 Anfälle gewesen sein. Den ersten Anfall bekam sie bereits mit 3 Monaten und dieser soll eine halbe Stunde gedauert haben. Die Diagnose „Dravet-Syndrom“ wurde dann gestellt, als die kleine Charlotte etwa zwei Jahre alt war.

Doch trotz zahlreicher Antiepileptika nahmen die Anzahl und die Heftigkeit der Krampfanfälle immer weiter zu. Die Situation schien hoffnungslos zu sein, bis die Familie irgendwann in einem Geschäft für medizinisches Cannabis ein CBD-Öl mit einem besonders hohen Gehalt an Cannabidiol erwarb und dieses Charlotte von nun an regelmäßig verabreichte.

Von nun an reduzierten sich die schweren Anfälle von weit über 300 pro Woche auf zwei bis drei leichtere Anfälle pro Monat. Dank dieser, damals in Olivenöl gelösten, CBD-Tropfen dieses Medizinalhanfs konnte sie noch lange Jahre ein nahezu „normales“ Leben führen. Später wurde daraufhin sogar eine medizinisch wirksame Hanfsorte nach ihr (Charlottes Web) benannt. Charlotte galt zu Lebzeiten als der lebende Beweis für die therapeutische Wirksamkeit von CBD im Hinblick auf Krampfanfälle und kindliche Epilepsie. Vor fast genau einem Jahr erkrankten mehrere ihrer Familienmitglieder an Covid 19. Auch Charlotte wurde krank und starb an den Folgen dieses Coronavirus. Doch ihre Geschichte wird für immer ein Symbol dafür sein, dass das CBD in der Hanfpflanze selbst bei scheinbar unheilbaren Krankheiten wie diesen schweren Krampfanfällen mitunter doch unerwartete Hilfe bieten kann.

 

Die Cannabinoid-Rezeptoren des Gehirns

 

Der präsynaptische CB1-Rezeptor soll in der Lage sein, überaktive Synapsen in ihrer Funktion zu hemmen. Bei einer zu hohen Ausschüttung von Neurotransmittern werden durch die Postsynapse körpereigene Cannabinoide freigesetzt, die am CB1-Rezeptor binden und dadurch die Produktion und Ausschüttung der Transmitter reduzieren. Auch die Cannabinoide der Hanfpflanze können an diese Rezeptoren binden und so scheinbar über eine sogenannte „Rückkopplungsschleife“ eine antikonvulsive Wirkung ausüben.

Vor allem während eines Krampfanfalles sollen Cannabinoide die Überaktivität der entsprechenden Synapsen beenden und regelrecht abschalten können. Dies konnte in Tierversuchen eindeutig belegt werden. Besonders für den gefährlichen „Status epilepticus“ könnte diese krampflösende Fähigkeit der Cannabinoide wie CBD, welches ebenso im CBD-Öl aus dem Nutzhanf enthalten ist, von großem Interesse sein.

Beim Status epilepticus kommt es entweder zu einem besonders langanhaltenden epileptischen Krampfanfall oder mehreren schweren Anfällen hintereinander, die innerhalb kürzester Zeit auftreten. Dies kann schwere Hirnschäden und auch den Tod des Betroffenen zur Folge haben, wenn er nicht sofortige medizinische Hilfe erhält. Meist kommen hier Barbiturate und ähnliche starke Medikamente zum Einsatz. Wenn CBD aus dem Medizinalhanf hier tatsächlich eine nebenwirkungsarme Alternative wäre, wie es bei Charlotte Figi wohl der Fall war, wäre vielen Menschen geholfen.

 

Dokumentierte Behandlungserfolge mit CBD

 

Eine israelische Studie bestätigte unlängst, dass CBD eine positive Wirkung auf die Intensität der Krampfanfälle Betroffener ausüben kann. Während die Krampfanfälle kaum noch auf herkömmliche Standardmedikamente ansprachen, konnten die Anfälle vor allem bei Kindern um signifikante 89 Prozent verringert werden. Einige der Patienten blieben sogar gänzlich anfallsfrei.

Andere Studien über die Behandlungserfolge von CBD bei Kindern, die entweder am Dravet-Syndrom oder Lennox-Syndrom und weiteren Epilepsieformen litten, wurden auf einer akademischen Tagung im Jahre 2015 diskutiert und belegten erste Erfolge bereits nach vier Wochen der Einnahme. So konnten die Krampfanfälle bereits nach einem Monat der regelmäßigen Einnahme bei über 40 Prozent der Probanden um mehr als die Hälfte reduziert werden. Etwa 9 Prozent der betroffenen Kinder sollen demnach sogar völlig anfallsfrei geblieben sein.

 

CBD in der Behandlung des Angelmann-Syndroms

 

Auch in der Behandlung des Angelmann-Syndroms, welches unter anderem mit einer verzögerten psychomotorischen Entwicklung, eingeschränkter Sprachfähigkeit und meist arzneimittelresistenter Epilepsie einhergeht, könnte eventuell mit CBD eine alternative Behandlungsmethode gefunden worden sein. Immerhin ist CBD in den USA seit 2018 für die Behandlung zweier seltener Epilepsieformen, darunter auch das Angelmann-Syndrom, zugelassen. Dies macht Hoffnung, dass auch in Zukunft weitere Studien die vielfältigen Wirkungen der Hanfpflanze und ihrer Cannabinoide belegen. Auch wenn es sich bei dem frei verkäuflichen CBD-Öl um ein Nahrungsergänzungsmittel aus dem Nutzhanf und nicht um ein medizinisches Präparat handelt, sind doch mittlerweile zahlreiche Anwender davon überzeugt, dass sich durch die regelmäßige Einnahme zumindest ihre Lebensqualität erheblich gebessert hat.